Illura

Illuras Welt

Illuras in ihrer Welt

Illura

Illura ist kein gewöhnliches Mädchen. Sie hat große, staunende Augen, als könnte sie Dinge sehen, die anderen verborgen bleiben. In ihrem Herzen wohnt eine kleine Welt aus Glanz und Geheimnissen. Manchmal, wenn alle anderen noch schlafen, liegt Illura wach und hört, wie die Nacht leise mit den Bäumen flüstert. Oder sie sieht Lichtfunken tanzen, wo andere nur Staub sehen.

Illura weiß, dass es mehr gibt als das, was man mit den Augen sehen kann.

In ihrem Zimmer hat sie einen kleinen, verwunschenen Schrank voller gesammelter Schätze: eine Feder, die nur im Mondlicht schimmert, einen Kieselstein mit einem Loch in der Mitte, und ein zusammengefalteter Zettel mit einer Karte zu einem Ort, den noch niemand gefunden hat.

Manche sagen, Illura hat eine sehr lebhafte Fantasie. Aber Illura weiß: Ihre Fantasie ist nicht nur zum Träumen da. Sie hilft ihr, die Welt zu verstehen. Und manchmal, wenn sie mutig ist, zeigt sie ihr Dinge, die wirklich da sind – auch wenn andere sie nicht sehen.

So wie Flim.

Flim ist kein normales Glühwürmchen. Er lebt zwischen den Ritzen von Wirklichkeit und Traum, in einem Ort, den man nur mit dem Herzen finden kann. Und eines Nachts, als Illura besonders viel Mut brauchte, tauchte er einfach auf. Ganz selbstverständlich. So wie Freunde es tun, wenn man sie am dringendsten braucht.

Seitdem begleitet Flim sie. Er fliegt nicht immer sichtbar um sie herum – manchmal ist er nur ein Gedanke, ein Lichtfunke, ein warmer Hauch Mut. Aber wenn Illura ihn wirklich braucht, kommt er. Leuchtend. Klein. Und weise.

Denn das ist das Geheimnis von Illura und Flim: Sie kennen den Weg zwischen Fantasie und Wirklichkeit – und wissen, dass beides wahr sein kann.

Illura und der Schatten an der Wand

Illura liegt in ihrem Bett. Es ist ganz still im Zimmer. Nur das Ticken der Uhr hört sie, und das leise Atmen von Papa nebenan. Eigentlich ist alles wie immer – aber irgendetwas fühlt sich heute anders an.

Illura starrt an die Wand. Da ist ein Schatten. Er war eben noch nicht da.

Sie kneift die Augen zusammen. Der Schatten bewegt sich nicht, aber irgendwie sieht er aus wie ein Tier. Ein großes Tier. Vielleicht ein Wolf. Oder ein Drache.

Ihr Herz klopft schneller.

„Papa?“, ruft sie leise.

Keine Antwort. Er schläft.

Illura zieht die Decke bis zur Nase. Sie will sich nicht fürchten, aber da ist dieses Gefühl in ihrem Bauch, als hätte sie kaltes Wasser geschluckt.

Da flackert plötzlich ein kleines Licht.

Ein winziges Glühwürmchen sitzt auf ihrem Nachttisch. Es leuchtet warm. So, als hätte es sie gehört.

„Hallo Illura“, sagt es mit einer leisen Stimme, die nur sie hören kann. „Ich heiße Flim.“

Illura flüstert: „Hast du den Schatten auch gesehen?“

Flim nickt. „Ja, ich sehe ihn. Er ist da.“

Illura erschrickt. „Also ist er echt?!“

Flim schwebt näher an den Schatten. „Er ist echt … aber nicht so, wie du denkst. Manchmal zeigt uns unsere Angst Dinge, die nicht so sind, wie sie scheinen. Willst du mitkommen und es herausfinden?“

Illura ist neugierig, auch wenn sie noch ein bisschen Angst hat. Sie schlüpft aus dem Bett, nimmt Flim vorsichtig in die Hand, und zusammen gehen sie näher an die Wand.

Der Schatten ist groß, aber jetzt sieht Illura genauer hin: Er hat lange Ohren … und eine komische Nase. Ist das etwa …?

Flim lacht leise. „Ein Hase. Dein Stoffhase sitzt auf dem Stuhl. Siehst du? Das Licht vom Flur wirft seinen Schatten an die Wand. Aber dein Kopf hat daraus einen Wolf gemacht.“

Illura staunt. „Ich hab das gedacht. Weil ich Angst hatte.“

Flim nickt. „Angst ist nicht falsch. Sie will dich schützen. Aber sie versteht manchmal nicht, was wirklich gefährlich ist und was nicht.“

„Und wenn ich doch mal etwas sehe, was nicht da ist?“, fragt Illura.

Flim antwortet: „Dann frag dich: Was fühle ich gerade? Und: Was weiß ich über diesen Ort? Und wenn du dir unsicher bist – dann frag jemanden, der dir helfen kann. Oder schau nochmal genau hin. Mit Herz und Verstand.“

Illura schaut nochmal an die Wand. Der Schatten ist noch da. Aber jetzt lacht sie. „Hallo, Hasenschatten.“

Sie legt sich wieder ins Bett, und Flim fliegt zurück auf den Nachttisch.

„Danke“, flüstert sie.

„Ich bin immer da, wenn du mich brauchst“, sagt Flim. „Auch wenn du mich nicht siehst.“

Und da schläft Illura ein. Ganz ruhig.

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