Angelique und Michael 2
Zweiter Teil – Die Höhle
Ich fuhr hoch. Wieder war ich orientierungslos. Aber nur für einen kurzen Moment. Die Höhle! An meiner Brust lag der kleine Welpe und schlief friedlich. Seine Pfoten zuckten kurz, als würde er träumen, dann seufzte er leise und drückte sich noch fester an mich. Blacky stand gerade auf, streckte sich und gähnte ausgiebig.
Eine Tür öffnete sich, die ich vorher noch nicht gesehen hatte. Der Mann kam heraus, hatte sich umgezogen. Sein schwarzes Haar glänzte nass. Nun trug er etwas, was wie eine Rüstung aussah. Schwarzes Leder! Er sah fantastisch aus. Blacky lief sofort zu ihm und der Mann streckte die Hand aus und kraulte ihn hinter dem Ohr.
Dann fiel mir die Kinnlade herunter. Der Mann trug ein Schwert! Außerdem am Gürtel einen großen Revolver, der im Licht des Feuers matt glänzte. Ich war sprachlos. Starrte ihn mit offenem Mund an. Er sagte nur kurz: „Es muss sein. Wir sind immer noch auf feindlichem Gebiet.“
Dann wies er auf die Türe. „Das ist das Bad. Wenn du willst, kannst du duschen. Ich habe dir neue Kleider hingelegt. Sie sollten dir passen.“
Ich nickte dankbar und übergab ihm den Welpen, den er mit einem liebevollen Blick nahm. Der Welpe ließ es zu, ohne die Augen von mir zu nehmen, als müsse er sicher sein, dass ich noch da war.
Ich ging ins Bad. Es war klein, aber zweckmäßig. Eine Dusche, eine Toilette, ein kleiner Schrank mit Kosmetikartikeln für Frauen und Männer. Ein Schrank mit Kleidern, Rüstungen, Freizeitkleidung in mehreren Größen. Ich war überrascht und sprachlos.
Der Mann hatte mir Kleider auf eine Truhe gelegt. Ich duschte ausgiebig. Zog die Unterwäsche an, die perfekt passte. Zusätzlich einen Anzug mit Hose und ein T-Shirt aus weichem, kuscheligem Leder. Alles lag an und passte perfekt wie eine zweite Haut. Dazu ein warmer Mantel, der mir bis zu den Knien reichte.
Ich ging wieder in den Hauptraum. Ich bedankte mich bei dem Mann und fragte, wem denn die Kleider gehörten. Als ich ihn ansah, bemerkte ich, wie ein Schatten über sein Gesicht huschte. Ich dachte, er würde mir nicht antworten, aber dann sagte er gepresst: „Sie gehörten meiner Schwester Katharina.“
„Wird sie nichts dagegen haben, dass ich sie trage?“
„Das glaube ich nicht“, sagte der Mann knapp, ehe er sich abwandte. „Gehen wir!“
„Halt!“, rief ich. „Nicht so schnell! Wer bist du, wie ist dein Name? Ich will eine Erklärung von dir, was los ist, bevor ich weiter mit dir durch das Land rase!“
Der Mann blieb stehen, drehte sich um und sah mich direkt an. „Ich bin Michael“, sagte er. „Wie ist dein Name?“
„Angelique.“
Er sagte meinen Namen Angelique, als wäre es eine Liebkosung.
„Wenn wir alleine sind, werde ich dich Angel nennen“, murmelte er leise. Dann drehte er sich um. „Komm, wir müssen weiter!“ Vor mir ging er weiter in den Berg hinein.
Ich starrte ihm hinterher.
Da wurde der Welpe unruhig. Er wand sich in Michaels Armen und stieß ein kurzes, empörtes Fiepen aus. Michael hielt inne, streckte mir den Welpen hin. Erst als das Hundebaby wieder bei mir lag, entspannte sich sein kleiner Körper, wurde er still.
„Tut mir leid“, sagte Michael. „Er mag dich!“
Ich lächelte. Michael sah mich durchdringend an. Dann, mit einer weichen, fließenden Bewegung, drehte er sich um und ging weiter, ohne sich darum zu kümmern, ob ich ihm folgte.
Ich folgte ihm notgedrungen und etwas atemlos. Es ging weiter und weiter in den Berg hinein. Schweigend liefen wir hintereinander her. An Michaels rechter Seite lief, wie selbstverständlich, Blacky. Der Gang wurde schmaler und schmaler. Es war sehr eng. Das Licht des Feuers war zurückgeblieben und mit ihm die Wärme. Michael ging voran, sicher, ohne zu zögern. Ich merkte, dass er jeden Schritt kannte. Nicht wie jemand, der sich erinnert – eher wie jemand, der nie vergessen hat.
„Sprich hier nicht so laut“, sagte Michael, ohne sich umzudrehen.
„Warum?“
„Weil der Berg zuhört.“
Ich wollte lachen, aber irgendetwas in seiner Stimme hielt mich davon ab.
Noch sah ich die massive und breitschultrige Gestalt von Michael vor mir und Blacky an seiner Seite. Aber es wurde dunkler und dunkler. Seltsame Geräusche erklangen, die ich nicht zuordnen konnte. Der Welpe versteifte sich. Sein Kopf ging hoch, sein Atem ging schneller. Er hörte etwas, bevor ich es verstand. Mein Herz klopfte lauter und lauter und schneller. Ein seltsames Gefühl der Bedrohung ergriff mich. Abrupt blieb Michael stehen, dann ergriff er im Dunklen meine Hand.
Wieder war da dieser seltsame Strom, der von mir zu ihm und von ihm zu mir ging. Schlagartig wurde ich ruhig und doch war ich hellwach. Schritt für Schritt und Hand in Hand gingen wir gemeinsam durch die Dunkelheit.
Der Gang führte tiefer. Nicht abrupt, sondern gleichmäßig, als hätte der Berg selbst entschieden, uns langsam hinabzulassen. Der Boden wurde feuchter, die Luft kühler. Nach einiger Zeit hörte ich ein seltsames, flüsterndes Geräusch, das immer mehr zunahm. Unregelmäßig, kaum mehr als ein Flüstern.
Wasser.
Dann, nach einer letzten Biegung, öffnete sich der Gang plötzlich. Kein Abgrund, kein dramatischer Sturz ins Ungewisse. Stattdessen wurde die Höhle größer. Weit genug, um frei zu atmen, aber überschaubar, fast schützend. Es plätscherte sanft und melodisch. Ein See und an der gegenüber liegenden Felswand fiel ein kleiner Wasserfall herab. Kein tosender Vorhang, eher ein stetiges Plätschern, das den Raum erfüllte und alles Andere zurückdrängte. Der Klang wirkte beruhigend, fast absichtlich, als gehöre er hierher.
Wir traten aus dem Gang. Dann ließ Michael schnell meine Hand los. Ein seltsames Gefühl der Leere und des Bedauerns breitete sich in mir aus, was mich sehr verwirrte.
Ich blieb stehen. Der Welpe wurde plötzlich still. Er schnupperte, dann entspannte sich sein Körper, als würde er den Ort kennen. Erst da merkte ich, wie verkrampft ich gewesen war. Ich legte schützend den Arm um ihn. Blacky lief vor, schnüffelte hier und dort.
Michael hielt kurz inne, musterte den Raum, als würde er zählen – Wege, Schatten, Möglichkeiten. Erst dann entspannte sich seine Haltung ein wenig. Der Welpe blieb still an meiner Seite.
„Hier können wir kurz bleiben“, sagte Michael leise. „Nicht lange.“
Ich trat näher an das Wasser. Es war klar genug, um den felsigen Grund zu erkennen, aber tief genug, um nicht alles preiszugeben. Kein Tümpel. Kein Spiegel. Eher ein Sammelpunkt – als würde sich hier etwas ausruhen, bevor es weiter fließt.
Ich kniete am Rand des Sees nieder. Ohne nachzudenken, als hätte mein Körper entschieden, bevor mein Verstand nachkam. Das Wasser war kühl, klar, und als ich meine Fingerspitzen eintauchte, durchzuckte mich ein kurzer, unerklärlicher Moment von Ruhe.
Nicht Erleichterung,
Nicht Freude.
Eher ein Wiedererkennen.
Für einen Augenblick fiel alles von mir ab – die Flucht, die Fragen, die Angst. Es war, als hätte etwas in mir kurz aufgehört, sich zu wehren. Ein stilles Aufblitzen von Frieden, so flüchtig, dass ich ihn kaum festhalten konnte.
Dann kam die Verwirrung.
Nicht als Gedanke, sondern als leises Ziehen hinter der Brust.
Ein Gefühl, dass dieser Ort mehr war, als er zeigte. Dass hier etwas war, das mich kannte und das ich noch nicht verstehen durfte.
Der Welpe wurde plötzlich still. Er schnupperte
Hinter mir hörte ich Michaels Schritte. Er blieb stehen, sagte nichts. Doch ich spürte seinen Blick. Wachsam. Fast angespannt.
„Was ist das für ein Ort?“ fragte ich schließlich.
Er antwortete nicht sofort. Als er es tat, klang seine Stimme rauer als zuvor. „Ein Ort, der nichts fordert“, sagte er leise. „Und genau deshalb gefährlich ist.“
Ich sah wieder auf das Wasser. Das Plätschern des Wasserfalls setzte sich gleichmäßig fort, unbeeindruckt von uns, von mir, von den Fragen, die sich in mir sammelten.
Etwas war hier!
Und ich wusste, dass ich es nicht verloren hatte, sondern nur noch nicht erreicht.
Eine ganze Weile saß ich so da. Michael stand ruhig neben mir. Schließlich sagte er leise: „Wir müssen weiter.“
Michael ging vor mir mit ruhigen, geschmeidigen Schritten. Ein sanftes Summen lag in der Luft. Blacky wieder an seiner rechten Seite.
Ich lief hinter Michael her. Vollkommen verwirrt. Aber ich speicherte alle Eindrücke in mir ab. Es war nicht die Zeit für Fragen und Antworten. Das musste warten. Ich merkte, dass der Weg kaum merklich und sanft wieder anstieg. So liefen wir, und ich verlor allmählich das Zeitgefühl.
Plötzlich standen wir vor einer geschlossenen Felswand. Kein Durchgang!
„Michael!“, rief ich.
„Warte!“, antwortete er. Er strich mit der Hand sanft über die Felswand und murmelte leise in einer Sprache, die ich nicht verstand. Blacky neben ihm wedelte wieder mit dem Schwanz.
Plötzlich öffnete sich die Felswand und gab den Blick frei auf das, was vor uns lag. Warmes Sonnenlicht drang herein und berührte zart unsere Gesichter. Um die Höhle herum war fast nur undurchdringliches, mannshohes Gestrüpp. Uralte, riesige Bäume standen weiter weg. Wald erstreckte sich scheinbar unendlich und undurchdringlich.
„Komm“, sagte Michael sanft. „Die Schutzzauber halten“, sagte er. Seine Stimme klang zufrieden. Er ging vor mir her und murmelte weiter in dieser unbekannten Sprache. Und das Gestrüpp wich zur Seite und gab einen Weg frei und wir gingen durch den uralten Wald.
Ich war vollkommen verzaubert. Ich hörte, wie die uralten Bäume leise flüsterten Willkommen! Willkommen! Willkommen!
Nach einer ganzen Weile kamen wir plötzlich auf eine große Lichtung. Der Weg teilte sich. Da stand eine große, stabile Hütte und daneben ein langgestrecktes Haus, das wie ein Pferdestall aussah.
Die Tür der Hütte öffnete sich und ein Mann, fast ebenso groß wie Michael, trat heraus. Als er Michael sah, erstrahlte sein vernarbtes Gesicht voller Freude. Er verneigte sich respektvoll und wollte vor Michael auf die Knie fallen. Dieser sprang blitzschnell vor und hinderte ihn daran.
Der Mann sagte: „Mein König!“
Michael antwortete: „Mein Bruder! Ich verbiete dir heute und in Zukunft, jemals vor mir auf die Knie zu fallen!“
Die Männer umarmten sich und klopften sich gegenseitig lachend auf die Schultern.
Dann sagte Michael zu mir. „Angelique, das ist Siegfried, mein Waffenbruder. Mein engster Freund Siegfried, der unsere Pferde hier versorgt.“
Siegfried sah mich durchdringend an. Dann wäre er beinahe wieder auf die Knie gefallen. Diesmal vor mir, woran ihn Michael wieder hinderte.
„Unsere Luna“, sagte Siegfried leise.
Michael sagte ebenso leise: „Ja, das ist sie! Sofern sie es denn will!“
Beide Männer warfen sich einen besorgten Blick zu und sahen mich wieder an.
Sie glaubten wohl, ich hätte es nicht gehört, aber mein Gehör war ausgezeichnet. Ich lächelte und neigte ebenfalls respektvoll den Kopf. Als Siegfried einige Schritte machte, sah ich, dass er stark hinkte. Das war mir anfänglich gar nicht aufgefallen. Wir gingen in die Hütte.
Siegfried sagte: „Und was bist du denn für ein prächtiger Bursche?“ Er begann, Blacky am Kopf zu kraulen.
Ich lächelte und sagte: „Das ist mein Freund und Beschützer Blacky!“
Siegfried lächelte.
Michael erzählte mir, dass vor einiger Zeit ein Überfall auf ihr Territorium stattgefunden hätte. Sein Bruder und seine Frau wären durch Verräter getötet worden. Siegfried hätte unter Einsatz seines Lebens ihn und den Welpen seines Bruders gerettet. Tragischerweise wäre dabei auch die Gefährtin Siegfrieds, Margarete, gestorben, als sie versucht hatte, Katharina, die Schwester Michaels, zu retten. Die Angreifer hätten Katharina mitgenommen. Seitdem wusste niemand, ob sie noch lebte oder tot war. Sie hätten sie im ganzen Land gesucht, hätten sie aber bisher nicht gefunden.
Ich erfuhr weiter, dass die Bindung mit der wahren Gefährtin sehr stark wäre. Siegfried hätte Margaretes Tod bis heute nicht verwinden können. Ihm wäre der Rückzug hierher gewährt worden, wo er die Pferde versorgte und die Station aufrecht erhielt. Es würden nur wenige überleben, wenn die wahre Gefährtin starb. Dann würden auch sie sterben. Und nur sehr wenige würden in diesem Leben ihre wahre Gefährtin finden.
Ich war sehr betroffen über das, was ich erfahren hatte, und sah voller Mitgefühl auf die beiden Männer.
Michael ergriff als erster wieder das Wort und fragte Siegfried, ob sich etwas Neues ergeben hätte.
„Nein“, antwortete Siegfried. „Die Überfälle werden immer dreister, doch bis jetzt haben sie diese Station noch nicht gefunden. Ich erneuere die Schutzzauber immer wieder. Sie halten gut!“
Michael erklärte: „Du bist ein treuer Freund!“ Voller Dankbarkeit lächelte er Siegfried an. „Wir brauchen zwei Pferde. Angelique ist noch nie geritten. Und außerdem etwas zu essen für sie.“
Siegfried stand augenblicklich auf. „Ich erledige das sofort!“ Blacky sprang auf und folgte ihm.
Siegfried brachte mir einen Teller Suppe und Brot und verschwand im Stall; Blacky im Schlepptau, der sich die Lefzen leckte. Offenbar hatte er auch etwas zu fressen bekommen.
„Isst du nicht?“, fragte ich Michael.
Er schüttelte nur den Kopf. Er sah aus, als würden die Gedanken in ihm rasen.
Ich sagte leise: „Der Welpe sollte auch etwas essen.“
Michael stand auf und ging in die Küche. Nach einiger Zeit kam er mit einer Flasche mit Welpenmilch zurück, die er mir gab.
Ich fütterte den Welpen, was diesem sehr gefiel.
Michael saß mir nachdenklich gegenüber, ehe er meine Hände nahm. Wieder war da dieser seltsame, warme Strom, der von mir zu ihm und von ihm zu mir ging.
„Angel“, sagte er leise und der Strom in mir verstärkte sich. „Ich muss dir etwas sagen.“
Ich sah ihn an, merkte, dass er um Worte rang. Als wenn er nichts sagen wollte, es aber doch musste. „Michael?“
„Wir werden sehr lange unterwegs sein. Stunden, vielleicht einen halben Tag. Blacky ist ein starker, ausdauernder Hundemann, aber das wird er nicht durchstehen!“
Ich wollte etwas sagen, aber Michael hob sanft die Hand. „Warte, bis ich dir meinen Vorschlag unterbreitet habe, dann kannst du ja oder nein sagen.“
Ich schwieg, spürte diesen warmen Kreislauf, der von mir zu ihm ging und zurück. Ich nickte.
„Wir werden Blacky hier bei Siegfried lassen. Du hast gesehen, die beiden haben schon Freundschaft geschlossen. Wir werden einen Konvoi mit Vorräten herschicken. Das hatten wir sowieso vor. Dann holen wir ihn heim. Oder wenn er hierbleiben will, kann er hierbleiben.“
Ich sah Michael an und meine Augen füllten sich mit Tränen. Leise sagte ich: „Danke, dass du uns die Wahl lässt!“
Michael sah plötzlich bestürzt aus. „Ich wollte dir nicht weh tun! Das wollte ich vermeiden.“
Ich lächelte. „Das hast du nicht. Aber ich habe eine Bedingung.“
„Eine Bedingung?“ Michael sah verwirrt aus.
„Ja, ich werde ihm das selbst sagen!“
„Natürlich! Das ist keine Frage“, sagte Michael.
Siegfried kam wieder herein; Blacky im Schlepptau. „Ich habe deinen Hengst gesattelt und eine ruhige Stute für Angelique. Ihr solltet aufbrechen, wenn ihr noch vor der Nacht im Rudelhaus sein wollt!“
Rudelhaus … speicherte ich in meinem Kopf als Frage an Michael.
„Ja, natürlich!“, sagte Michael und zog seine Hände von den meinen zurück. Wieder überkam mich dieses seltsame Gefühl von Leere und Verlust.
„Angelique?“ Michael sah mich fragend an.
Ich stand auf und ging zu Blacky. Ich kniete mich nieder, nahm liebevoll seinen Kopf in meine Hände, und sah ihm direkt in die Augen. „Blacky, hör gut zu. Es dauert fast einen Tag, bis wir an Michaels Zuhause sind. Du bist ein tapferer, starker Hundemann, aber das schaffst du nicht.“
Die treuen Augen sahen mich intelligent an, sprachen – nur für mich verständlich: Du willst mich hierlassen bei Siegfried!
„Das ist wahr!“, antwortete ich. „Aber nicht, wenn du es nicht willst. Sie werden einen Konvoi mit Vorräten beladen und nach einiger Zeit hierherkommen. Sie werden dich mit zu mir nehmen, wenn du es willst!“
Blacky drehte seinen Kopf, sah zu Siegfried, sprach: Ich werde ihm guttun. Er betrauert seine Gefährtin so stark. Ja, ich werde hierbleiben! Blacky sah wieder zu mir. Dann entscheide ich, wo ich leben will. Bei dir oder bei ihm!
Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich küsste Blacky auf die Nase.
Du wirst sentimental, sagte Blacky verlegen, doch liebevoll.
„Wir haben uns geeinigt“, sagte ich und stand anmutig auf. „Blacky bleibt bei Siegfried. Dann entscheidet er, wo er leben will, ob bei Siegfried oder bei mir.“
Die Männer sahen mich an. „Wir haben nichts gehört“, sagte Siegfried überrascht.
Ich lächelte. „Ich spreche telepathisch mit ihm!“
Michael sah stolz aus, was mich irritierte.
„Gut“, sagte Michael, „dann brechen wir auf!“
Wir verließen die Hütte. Da stand ein riesiges, schwarzes Pferd für Michael, das temperamentvoll schnaubte. Und eine kleine, weisse, wunderschöne Stute. Ich verliebte mich sofort in sie. Ich ging zu ihr und sprach leise ganz sanft zu ihr. Ich ließ sie an meiner Hand schnuppern und schloss Freundschaft mit ihr.
„Dafür, dass du noch nie geritten bist, kennst du dich aber gut damit aus, wie man mit Pferden Freundschaft schliesst“, sagte Michael.
„Ja, das stimmt. Ich weiß es einfach!“
Michael überprüfte alles. Währenddessen verabschiedete ich mich von Siegfried und Blacky. Dann hob mich Michael mühelos in den Sattel. Noch einmal vergewisserte er sich, dass alles in Ordnung war, und der Welpe sicher an meiner Brust ruhte. Schließlich schwang er sich geschmeidig auf sein Pferd. Wir verabschiedeten uns von Siegfried und ritten los. Das Reiten fiel mir seltsamerweise vollkommen leicht.
Wir ritten bis zur nächsten Weggabelung, wo ich mich umdrehte. Siegfried stand da. Seine Hand ruhte auf Blackys Kopf. Ich hob die Hand und winkte. Siegfried winkte zurück und Blacky wedelte mit dem Schwanz. Dann bogen wir um die Ecke.
Eine Weile ritten wir schweigend hintereinander durch den Wald, ehe ich zu Michael aufschloss. „Michael, ich will die Wahrheit wissen. Du bist ein Gestaltwandler, nicht? Ein Gestaltwandler, von dem ich glaubte, dass er ein Mythos ist. Richtig?“
Ich sah Michael herausfordernd an, der seufzte und lange schwieg.
„Ja, du hast recht. Ich bin ein Gestaltwandler. Du musst sowieso die Wahrheit erfahren. Wir sind über zwei Stunden unterwegs.“ Er seufzte noch einmal. „Dies ist die Geschichte des Volkes der Skintari – der Gestaltwandler. Dies ist die Geschichte unseres Volkes.“
Fortsetzung folgt …
