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Angelique und Michael – 5

Das Rudelhaus

Wir ritten und ritten. Die Zeit verging. Die Sonne zog ruhig weiter ihre Bahn am Himmel. Langsam näherte sie sich der Erde, um unterzugehen.

Alrik wurde müde und schlief ein. Er war noch ein Kind. Obwohl er für sein Alter groß war. Ich hielt ihn fest. Auch ich war müde. Der Ritt war eintönig und anstrengend. Ich war das lange Reiten nicht gewöhnt.

Ich fragte leise: „Ist es noch weit?“

Michael sah mich an. Sein Gesichtsausdruck war besorgt. Ein warmer Strom lief durch mich. „Du musst noch ein Weilchen durchhalten.“ sagte er.

Hielt unsere beiden Pferde an und reichte mir eine Flasche mit einer goldenen Flüssigkeit aus seiner Satteltasche. Ich nahm sie, trank. Eine wohlige, samtige Wärme glitt durch mich hindurch. Augenblicklich fühlte ich mich besser und leicht beschwingt. „Was ist das?“ fragte ich und sah die Flasche an. Dann reichte ich sie ihm zurück.

Michael lächelte: „Das weiss niemand! Ein Geheimrezept unserer obersten Heilerin und Priesterin Hina. Wer das Rudelhaus verlässt, erhält eine Flasche. Die Wirkung ist magisch.“

Er verstaute die Flasche in seiner Satteltasche. Sah mich prüfend an und wendete seinen schwarzen Hengst zur Straße. „Reiten wir weiter!“

„Ja!“ Und wir ritten weiter.

Als die Sonne sich dem Horizont näherte, sah ich es.

Hoch auf einer Anhöhe erhob sich das Rudelhaus. Türme und Zinnen ragten in den Abendhimmel, und in einigen Fenstern brannte bereits warmes Licht.

Ich sagte nichts. Ich konnte nur schauen. Das war kein Haus, das war keine Burg.

Da stand ein richtiges Märchenschloss vor uns hoch auf dem Berg. Einige Lichter waren schon angezündet. „Das ist das Rudelhaus?“ fragte ich leise.

„Ja!“ antwortete Michael einsilbig.

Nach einer Weile sagte er: „Es sieht wahrscheinlich einschüchternd aus. Aber im Inneren ist es ganz gemütlich. Es ist hochtechnolisiert. Es wird Dir gefallen.“

Hochtechnolisiert? Ich hatte null Vorstellungskraft wie das aussehen würde. Noch Jahre später staunte ich immer wieder, was das Rudel da erschaffen hatte.

„Reiten wir weiter. Dann kommen wir noch im Sonnenschein an!“ Sagte Michael. Ich schwieg und wir ritten weiter. Nach einiger Zeit kamen wir oben an. Wir ritten durch ein riesiges hohes Tor. Die Mauer war sehr dick. Drinnen standen zwei Wachen in Uniformen und verbeugten sich respektvoll vor Michael und mir. Sie sagten: „Mein König.“ Michael neigte den Kopf und so tat ich es auch.

Dann waren wir plötzlich in einem riesigen Innenhof. Die Sonne stand zwar schon ganz schräg, aber erhellte den riesigen Platz vollkommen mit goldgelbem Licht. Rechts stand eine riesige uralte Linde. Das war also der Burghof.

Ankunft im Rudelhaus13092026

Der ganze Innenhof war mit Menschen, Wölfen, Kindern, Welpen und Pferden erfüllt. Links waren lange 2-stöckige Gänge. Soweit man sehen konnte, liefen alle um den Platz mit der uralten Linde. Da war eine kleine Treppe. Zwei große Frauen standen am Fuß der Treppe, als wenn sie auf uns gewartet hätten. Die linke war offensichtlich eine Kriegerin. Sie trug ähnliche Kleidung wie Michael. Später erfuhr ich das sie Alea hieß. Ein Lächeln und ein leichtes Neigen des Kopfes in unsere Richtung. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Die andere Frau war Hina. Sie trug ein wunderschönes langes zartblaues Gewand.

Über die weite Entfernung sahen wir uns in die Augen und erkannten uns. Die Kriegerin sagte: „Michael hat einen Mensch mitgebracht.

“ Hina antwortete ruhig: „Sie ist kein Mensch.“ Die Kriegerin schaute sie verblüfft an. Drehte den Kopf und lächelte mich an. Wandte sich dann aber um und ging in den Gang zurück. Seltsamerweise hörte ich trotz der weiten Entfernung die Worte der beiden Frauen vollkommen klar.

Michael war schon abgestiegen und wollte Alrik herunterhelfen. Dann bemerkte er meinen Blick und folgte ihm. „Das ist Hina unsere oberste Heilerin und Priesterin.“

Alrik zappelte in Michaels Armen und bat: „Mutter darf ich zu meinen Freunden laufen und ihnen erzählen, dass ich mich verwandelt habe?“

Michael sagte, bevor ich den Mund aufmachen konnte: „Nein, Du musst Dich erst Hina vorstellen.“ Und hielt ihn zurück.

Dann hob er mich ebenfalls vom Pferd und das wohlbekannte wundervoll warme Gefühl durchströmte uns wieder.

Zwischenzeitlich trat Hina zu uns. Sie strich Alrik sanft über das Haar und sagte: „Du hast Dich also verwandelt. Deine Mutter ist Angelique und sie gab Dir den Namen Alrik.“ Sie sah ihn liebevoll an. Aber ich sah den Schmerz für einen Augenblick in ihrem Gesicht und ich wusste, das sie etwas in seiner Zukunft gesehen hatte, das ihr Schmerz bereitete. „Lauf zu Deinen Freunden mein Junge!“ Und Alrik lief zu seinen Freunden.

Dann wandte sie sich mir zu und sah mich eine ganze Weile forschend an. Dann lächelte sie und zog mich in eine liebevolle Umarmung. „Sei gegrüsst Tochter der Mondin Angelique“. „Unser Rudel und ich haben lange auf Dich gewartet.“ Ich sah sie verwundert an, lächelte aber.

Sie begrüsste auch Michael mit einer liebevollen Umarmung. Er fragte sie, ob es Neuigkeiten gäbe. Hina seufzte: „Die üblichen Grenzverletzungen. Aber es gibt auch Dinge, die Deine Aufmerksamkeit erfordern. Sie sah mich an. Hast Du Angelique von Deiner Schwester erzählt?“

„Ja!“ sagte er knapp.

„Wir haben wieder einmal Gerüchte gehört von einem Gewürzhändler, dass tief im Süden jenseits aller bekannten Rudel eine Frau leben soll, die als weisshäutig und schön bezeichnet wird.“ Michaels Gesicht verschloss sich und wurde eine starre Maske. Ich legte sanft meine Hand auf seinen Arm. Er sah auf mich hinunter. Suchte meine Augen und entspannte sich ein wenig.

„Trotzdem werden wir nicht umhinkommen, dieses Mal in den Süden zu reisen.“

“ Ich sagte: „Dieses Mal wirst Du nicht alleine sein.“ Er wollte mir eine scharfe Erwiderung geben.

Aber Hina sagte: „Im Moment gibt es Wichtigeres.“ Wir sahen sie beide fragend an.

Doch bevor sie anfing zu reden legte sich ein fast schon vertrautes Gefühl auf mich. Hina und Michael rückten aus meinem Fokus und ich fühlte mich wieder einmal wie unter Wasser oder von einem dunkleren Schleier umweht. Die Zeit schien still zu stehen. Michael streckte den Arm aus, wollte nach mir greifen. Aber Hina hielt ihn zurück. „Sie hat wieder eine Vision!“

Ich ging weiter auf die uralte Linde zu und stieg an ihr empor. Da kam plötzlich eine Tür und öffnete sich weit vor mir. Ich schritt hindurch. Das Letzte, was ich hörte, war, dass Michael sagte: „Ich wusste gar nicht, dass dort eine Tür war!“

Und Hina antwortete: „Sie ist die Auserwählte, sie hat sie erschaffen.“ Dann schloss diese sich sanft hinter mir.

Vor mir erschien ein wunderschöner grüner Gang, der ins Innere der Linde führte. In der Mitte war ein Raum, in dem das Baumwesen der uralten Linde auf mich wartete. „Tritt ein Kind der Mondgöttin. Wir alle warten schon seit Jahrhunderten auf Dich. Es sind schwere Zeiten und Du musst so schnell wie möglich mehr über Deine Bestimmung erfahren. Du musst an dem Tag, den Ihr morgen nennt, mit Hina der Priesterin in das uralte Archiv gehen und nach der Prophezeiung suchen.“

„Die Prophezeiung, die Dich ankündigt. Dein Erscheinen und Deine Bestimmung verkündet. Hab keine Angst. Die Göttin ist bei Dir, wenn Du das tust, was einfach notwendig ist“.

Ich war verwirrt. „Ich verstehe das alles nicht“. „Ihr alle redet von auserwählt und Bestimmung!“

„Geh ins Archiv dort werden sich viele, nicht alle, Fragen beantworten.“ „Geh!“ Und ich ging.

Ich stieg wieder von der Linde und ging zu Hina und Michael. Beide hörten aufmerksam zu. Dann sagte Hina: „Dann ist klar, was wir tun ….tun müssen!“ „Aber jetzt zeige ich Dir Dein Zimmer. Du Michael solltest auch in Deine Gemächer gehen vor dem Abendessen.“

Michael lächelte kurz: „Ja Hina!“ Dann sah er mich an, lächelte mich ebenfalls an und sagte: „Ruh Dich aus, mach Dich frisch. Das Abendessen ist um 7.00 Uhr.“ Dann wandte er sich um und verschwand.

Hina ging mit mir in die andere Richtung durch einige Gänge und blieb vor einer großen Tür stehen. Sah mich kurz an und sagte, das sind die Räume von Michaels Mutter. Ich hoffe, sie gefallen Dir. Man kann alles in kürzester Zeit ändern. Wenn Du etwas brauchst, dann klingele. Dann kommt eine Zofe. Das heisst ich zeige Dir gleich wie das funktioniert. Wir traten ins Zimmer. „Klara, komm bitte in das Zimmer von Angelique.“

Innerhalb kürzester Zeit ging eine Tür auf und ein hübsches junges Mädchen trat in einer Uniform herein. Sie lächelte. „Klara stell Dich Angelique vor.“

„Guten Tag Angelique. Ich bin Klara. Ich bin ein Robotmädchen. Erschaffen nur um Dir in allem behilflich zu sein, was Du Dir wünschst.“

Ich stand vollkommen still da und starrte sie mit offenem Mund an. „Robot?!?!?“

Hina lachte: „Hat Michael Dir das nicht gesagt?“

„Nicht so detailliert!“

„Ja wir haben es gern bequem. Aber nicht mit echten Dienstboten!“

Klara erklärte mir, ich bräuchte nur rufen und sie würde dann alles für mich erledigen, was ich wünschte. Ich bat sie um eine Tasse Tee und schwups hatte ich eine. Hina verabschiedete sich von mir und sagte: „Wir sehen uns beim Abendessen.“ und ging fort.

Klara zeigte mir meine Gemächer, die eine große Wohnung waren. Da war alles da, was eine Frau sich nur wünschen konnte. Sie sagte: „Wenn Dir irgendetwas nicht gefällt, die Farben oder irgendetwas. Es dauert nur Minuten.“ Ich wanderte durch die Räume und sah mir alles an. Im Badezimmer war ein riesengroßes Becken im Boden eingelassen. Ich war fasziniert.

Als Klara ging, zog ich mich aus und glitt in das Becken. Es war überwältigend. Dann probierte ich eine ganze Weile die Kosmetika aus. Zog mich an. Abendkleid beim Abendessen! Das war nicht mein Ding! Na ja! Dann hatte ich noch ein paar Minuten Zeit und legte mich ein bisschen hin.

Klara weckte mich und bändigte meine Haare. Wir plauderten angeregt. Es war nicht anders, wie wenn sie tatsächlich eine junge Frau wäre. Sie sagte, ich solle mich melden, wenn ich irgendetwas benötigen würde.

Sie zeigte mir den Weg zum Speisesaal. Michael stand sofort auf und führte mich zum Stuhl zu seiner Rechten. Bevor ich mich hinsetzte ergriff er meine Hand und sagte: „Das ist Angelique, die Mutter durch Wahl von Alrich meinem Neffen. Dadurch meine Schwägerin!“

Ein Gemurmel erhob sich im Saal. Offensichtlich hatte es noch nicht jeder erfahren. Ich verbeugte mich einfach, indem ich leicht den Kopf senkte. Michael sah mich mit unverhohlehem Stolz an. „Du hast so angemessen reagiert!“ sagte er befriedigt.

Dann setzten wir uns und nahmen das üppige Mahl zu uns. Der Tisch war gefüllt mit verschiedenen Sorten Fleisch, Beilagen und Gemüse. Ich lehnte die Suppe ab. Aber den Nachtisch nahm ich gerne an.

Um 10.00 Uhr war das Abendessen zu Ende und Michael führte mich zu meinen Gemächern. Er küsste die Knöchel meiner Finger und ein wohliger Schauer durchfuhr mich. Das war fast das letzte Mal das ich ihn aus der Nähe sah.

Ich schlief wunderbar tief und fest in dem riesigen Himmelbett.

Am nächsten Morgen weckte mich Klara und sagte mir was ich für ein Kleid anziehen sollte. Kurz darauf erschien Hina und wir gingen hinunter in den Frühstücksraum.

Michael hatte schon gefrühstückt. Erschien dann kurz und nahm mich mit zum Rat und stellte mich vor. Hina sagte, das wir nun zur Bibliothek gehen würden und in das alte Archiv. Das taten wir.

Dort verbrachten wir nun Tage um Tage und suchten nach der Prophezeihung. Nur unterbrochen von den Mahlzeiten und den kurzen Besuchen von Alrik, da er in die Schule gehen musste und das lernte, was die jungen Wölfe lernen mussten.

Michael schien mich zu meiden. Wenn er mich sah drehte er um und nahm einen anderen Weg. Ich sah ihn immer nur von weitem. Das machte mich traurig. Ich verstand nicht warum er das tat.

Nach einer Woche fanden wir ein Dokument das genau beschrieb was es mit der verblassten Gefährtin auf sich hatte. Dieser Ausdruck wurde nur noch selten benutzt. „Es war auch sehr selten, das die Wölfe ihrer ureigenen Gefährtin begegneten“, sagte Hina. Siegfried hatte eine Gefährtin gehabt und litt sehr stark als sie getötet wurde.

Es wurde beschrieben, dass beide Partner genau die Bindung fühlten. Und der Wolf wollte sofort Besitz von seiner Gefährtin ergreifen und tat dies kund: „Mein“ Mein!“. Die Gefährten waren durch Gedanken miteinander verbunden. Spürten wenn der andere in Gefahr war.

Die Verbindung musste aber anerkannt werden. Der Mann musste die Frau beanspruchen, Die Vereinigung geschah durch einen Biss zwischen Schulter und Hals. Dieser wurde zuerst vom Mann bei der Frau und dann von der Frau beim Mann durchgeführt. Der Biss oder die Bisse waren aber nicht sehr schmerzhaft. Dann war die Verbindung besiegelt.

Viele starben wenn der Gefährte, die Gefährtin getötet wurde, an Kummer und tiefem Schmerz.

In der Vergangenheit wurde da auch viel Schindluder betrieben, in dem die Frau mit Gewalt beansprucht wurde. Heutzutage glaubten nur noch wenige daran. Es wurde in die Welt von Sagen, M und Märchen verschoben.

Ich dachte sehr lange darüber nach. Es war am nächsten Vormittag. Ich sass mit Hina und wir suchten den ganzen Morgen nach dieser Weissagung.

Dann machten wir Frühstückspause. Sassen mit Hina da tranken Tee und ich sagte: „Darf ich Dich etwas fragen Hina?“

Sie sah auf. „Natürlich was möchtest Du wissen“.

„Michael weiss das ich seine wahre Gefährtin bin.“

Hina schwieg eine ganze Weile. „Ja, natürlich.“

„Ich glaube…“ .. „Warum weicht er mir immer wieder aus? Seit dem Rat hat er nicht mehr mit mir gesprochen.“ Hina zögerte und versuchte auszuweichen. „Bitte Hina!“ Sagte ich leise. „Sprich mit mir.

“ Hina seufzte. „Du musst wissen, das es dem Mann mehr zusetzt wie der Frau, wenn die Bindung da ist und nicht vollzogen wird. Michael hat ganz einfach Angst.

„Angst? Wovor sollte er Angst haben? Ein Alpha und König eines so grossen Rudels?“

„Er will Dich nicht zu sehr drängen, Du sollst Dich aus freien Stücken für ihn entscheiden. Und er hat Angst das Du nein sagst. Er würde es akzeptieren. Auch wenn es ihn alles kosten würde. “ Sie sah mich kurz prüfend an. „Wir haben bald Vollmond. Die Verbindung sollte an diesem Vollmond erfolgen. Das ganze Rudel wird anwesend sein. Der Höhepunkt des Rituals ist der Lauf mit dem Gefährten und der Gefährtin als Wölfe unter dem Vollmond als Dank an die Göttin.“

Ich war wie vom Donner gerührt und starte sie an. „Aber das kann ich nicht.“

Sie sah mich an, traurig. „Ja und Michael ist wie gelähmt. Er weiss nicht was der Wunsch der Göttin ist. Vor allen Dingen was sie sich dabei gedacht hat.“

Ich sagte leise: „Vollmond ist in 3 Tagen.“

„Und genau in 3 Tagen werden sie mit Autos, Flugzeugen und Schiffen her kommen und erwarten Eure Vereinigung!“ sagte Hina mit erhobener Stimme.

„Und die Braut hatte keine Ahnung“ sagte ich leise.

„Ja“, sagte Hina.

Dann stand ich auf und sagte: „Ich werde jetzt diesen Alten Stapel Akten in Angriff nehmen.“ Hina schaute verwirrt. Denn ich tat genau das.

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Wird fortgesetzt

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