Julian und der goldene Weg

Julian war ein aufgeweckter Junge von sechs Jahren, der selbst noch bei kälter werdenden Temperaturen barfuß im Garten herumsprang und im Wald, von dem er nicht weit entfernt mit seinen Eltern in einem ehemaligen Forsthaus lebte. Er genoss es, die weiche Erde unter seinen Fußsohlen zu spüren und kam da ganz nach seiner Mutter, die es auch so machte und die ihrem Bub von kleinauf Gute-Nacht-Geschichten erzählte oder Geschichten für den Tag. Oft waren es Märchen, die Julian mit sich in eine zauberhafte Welt nahmen, oft aber auch spannende Geschichten aus dem gegenwärtigen Leben, das seine Eltern und er selbst lebten.
Besonders liebte es Julian, mit seinen Spielgefährten aus der Nachbarschaft, drei Buben und zwei Mädchen, im Wald zu spielen, dort auf Bäume zu klettern, und irgendwann müde geworden die Rücken an einen starken Stamm zu lehnen, um einfach nur still dazusitzen. Freilich schlief Benni, der immer rasch müde wurde, dabei regelmäßig ein, während die anderen Kinder Eichhörnchen beobachteten, die hoch über ihren Köpfen akrobatisch von Baumkrone zu Baumkrone sprangen. Hin und wieder ließ sich in der Ferne auch ein Reh zwischen Bäumen sehen, das beim geringsten Laut scheu davonsprang.
Oft genug waren Julians Eltern mit ihm im Wald unterwegs, um ihm die vielfältige Natur und die Tiere dort nahezubringen. Von Anfang an war Julian von dieser stillen, grünen und – wie ihm schien – manches Mal mit ihm flüsternden Welt begeistert gewesen. Besonders mit den Bäumen, die ihm wie Riesen vorkamen, die bei Wind ihre starken Arme streckten und die großen Köpfe wiegten, als würden sie über etwas zweifeln. Julian liebte alles am Wald und im Wald, außer den schmerzhaft stechenden Brombeerranken, die er wohlweislich mied. Jedenfalls ihr Inneres, denn von den äußeren Ranken pflückte er sich begeistert die saftigen Beeren, wenn sie reif waren.
Julian mochte besonders eine Lichtung im Wald, um die mächtige Bäume standen, deren Baumkronen ein gutes Stück vom Himmel über sich frei ließen. Unten auf der Erde wuchsen Farne, manche so hoch wie Julian selbst, dem es große Freude bereitete, sich unter sie zu legen und von den Wedeln geschützt nach oben ins Sonnenlicht zu blinzeln. Manchmal ging es ihm dabei wie Benni und er schlief in der Stille um sich ein, die nur hie und da vom Gezwitscher der Vögel unterbrochen wurde.
Einmal geschah es, dass Julian erst aufwachte, als es bereits spät am Tag war. Die Sonne war schon weit am Himmel herabgesunken und hatte sich aus den dichten Waldgebieten zurückgezogen. Julians Eltern würden sich insgeheim Sorgen machen, wo er denn bliebe, doch sie hatten auch großes Vertrauen in ihn, dass er keinen Unfug angestellt hatte und jetzt in misslichen Umständen war. Schläfrig rieb sich Julian die Augen, gähnte und streckte den Kopf aus den großen Farnblättern über sich. Was er auf der Lichtung entdeckte, ließ ihn im ersten Moment erstarren. Gebannt blickte er auf eine Gruppe von Waldgeschöpfen, wie sie in seinen Märchenbüchern vorkamen, und einen alten, ehrwürdig erscheinenden Mann in ihrer Mitte, der ihnen offenbar etwas erzählte.
Eine Geschichte, wie sie mir Mama immer erzählt!, schoß es Julian durch den Kopf. Fasziniert starrte er auf den Mann mit dem langen schneeweißen Haar und dem schneeweißen Bart, der ihm bis auf die Brust reichte. Im Kreis um ihn saßen Zwerge in grünen Hemden und roten oder blauen Hosen. Alle hatten sie grüne oder braune Mützen auf dem Kopf, die entweder spitz nach oben zeigten oder deren Enden schlaff auf die Schulter fielen. Die Haare der Kobolde waren blond und braun. Mancher trug einen Bart, mancher war bartlos. Die Gesichter wirkten mit leichten Runzeln darin wie von erwachsenen Menschen. Von den Elfen waren manche nur halb so groß wie die Zwerge, andere wieder größer als sie. Die Elfen, die weiblichen wie die männlichen, waren wunderschön mit anmutigen Gesichtern und feinstem Haar, auf dem, ob sie nun blond waren oder braun, Goldschimmer lag. Ihre Kleidung erschien genauso fein mit schimmernden Oberteilen und Hosen, wobei die Frauen Röcke oder Kleider trugen und darunter zarte Füße hervorsahen.
Julian war wie verzaubert, starrte und starrte, bis er endlich begriff, dass der weißhaarige Mann auf der Lichtung ihm zugerufen hatte: „Julian, willst du nicht zu uns kommen und der Geschichte lauschen, die ich erzählen werde?“
Julian blieb der Mund offen. Nicht nur, dass er entdeckt worden war, der Mann wußte sogar seinen Namen! Na ja, weil ich halt immer hier im Wald bin und den Wald und alle Tiere mag … und weil mir die Mama erklärt hat, dass es Feen und Elfen und Kobolde nicht nur in Märchen, sondern auch in Wirklichkeit gibt“, dachte Julian.
Unsicher richtete er sich auf und machte erste zögerliche Schritte, bis er mutig den Rücken durchstreckte und zu den anderen auf die Lichtung kam. Die guckten ihn gespannt an, manche grinsten, manche neigten sogar wie zur Begrüßung leicht den Kopf vor ihm.
„Setz dich, Julian, setz dich gleich hier zu Flocki“, meinte der ehrwürdige Alte und deutete auf einen Zwerg, der mit der Hand auf den freien Platz neben sich klopfte. Julian ließ sich neben diesem auf die Erde plumpsen. Der Zwerg, der so groß war wie er selbst, schien nach den kindlichen Zügen offenbar noch ein sehr junger Zwerg zu sein. Er schenkte ihm ein breites Grinsen. Dabei ließ er drei Zähne im oberen und einige mehr im unteren Gebiss sehen. Mehr Zähne hatte Flocki nicht, was ihn nicht zu stören schien. Dafür lachte Julian spontan auf, denn es sah zu lustig aus. Flocki hatte dazu eine große Nase und Haare wie Flachs, funkelnd grüne Augen – wie sie ohnehin viele Naturgeschöpfe haben – und lange, spitz zulaufende Ohren, die sich eng an den Seiten der Mütze hielten, als sollten sie sie auf dem Kopf halten.
„Hallo, ich bin Julian“, sagte Julian.
„Ich weiß“, sagte Flocki mit unüberhörbarer Heiterkeit in der Stimme.
„Ich bin 6 Jahre alt“, erklärte Julian munter.
„Und ich 75 Jahre.“
Julian machte große Augen, aber dann lachte er wie alle anderen im Kreis, weil das für einen Kobold noch lange kein Alter war. Naturgeschöpfe können Tausende von Jahre alt werden. Und manche noch älter.
Der ehrwürdige Alte räusperte sich, um die Aufmerksamkeit des Menschenjungen zu gewinnen. „Mein Name ist Der Würdige vom Eichenblatt. Das hier sind …“ Und dann begann Der Würdige vom Eichenblatt mit der Hand der Reihe nach auf die Elfen und Zwerge im Kreis zu deuten: „Fahndarach, Baumzirbel, Calaysa, Eli, Strumpfsocke, Molch, Kleeblättchen, Anemone, Toller Kirsch und Federlein.“
Julian war begeistert, wie gut die Namen zu ihren jeweiligen Trägern passten. Die schönste der Elfen, Calaysa, war ein zartes Mädchen mit bald durchscheinender Haut, langem goldfarbenem Haar, leicht schräg stehenden grünen Augen, und einem duftigen rosafarbenen Kleid, das sie wie ein Schleier umhüllte.
Am lustigsten, noch lustiger als Flocki, sah der Zwerg Strumpfsocke aus, denn sein in Braun gehaltenes Gewand bestand nur aus Socken … oder Strümpfen. Es war kariert und gestreift gemustert. Die Mütze war ein gedrehter Strumpf, der auf seinem wilden Schopf saß. Um den Hals war eine lange Socke gewunden, und das Wams und die Hose waren aus mehreren Strümpfen zusammengenäht. Schuhe oder Stiefel trug Strumpfsocke nicht, sondern dicke Socken. Dazu blickte er immerfort schelmisch um sich, so dass Julian Mühe hatte, überhaupt von ihm fortzublicken.
„Meine lieben Freunde, heute will ich euch von dem Zauber der gegenwärtigen Zeit erzählen. Einem Zauber, der in seiner Energie von seltener Kraft und Schönheit ist“, begann Der Würdige vom Eichenblatt und zog mit seinen Worten sogleich alle auf der Lichtung in seinen Bann. Selbst zwei Eichhörnchen in nahen Baumkronen verhielten in ihrem übermütigen Spiel und spähten nach unten auf die Waldbewohner. Erstaunt entdeckten sie unter ihnen den kleinen Menschen, der etwas Besonderes sein musste, da sie sich ihm zeigten und er sogar in ihre Mitte eingeladen worden war. „Mag uns wohl, mag uns wohl, uns Waldbewohner …“, lispelte Fips, das braune Eichhörnchen mit der hübschen weißen Blässe auf der Brust.
„Ich kenne ihn, das ist der Junge vom Forsthaus. Der mag uns, mag uns …“, lispelte Flaps zurück, das rote Eichhörnchen mit einer weißen Blässe auf der Brust, die mindestens so hübsch war wie die von Fips.
„Ein wunderbarer Zauber hat sich auf unsere Erde gelegt“, fuhr Der Würdige vom Eichenblatt fort. „Er ist von einer goldenen und rubinroten Farbe und wie ein mächtiger Schleier, der durch das Universum weht und alle, die er berührt, inne halten lässt. Dieses gold- und rubinfarbene Licht gleitet seit langen Zeiten durch das Universum und erreichte irgendwann die Erde. Der Zauber dieser reinen und kraftvollen Energie der Liebe, die dieses Licht darstellt, bewirkte, dass viele Menschen in ihrem alltäglichen Leben inne hielten. Es drang in die Herzen und das Bewusstsein der Menschen und ließ sie nachdenken, nachfühlen, ob sie das Leben führen, das sie führen wollten. Ob sie glücklich waren. Ob sich ihre Träume erfüllt hatten. Und ihr müsst wissen, dass so gut wie jeder Mensch Träume hat, die sich bereits einstellen, wenn der Mensch noch klein ist. So klein wie Julian hier.“ Der Würdige vom Eichenblatt nickte dem kleinen Menschen ihm gegenüber wohlwollend zu.
„Ich will im Wald leben!“, entschied Julian laut. „Dann werde ich die Bäume auch im Sommer mit Weihnachtskugeln schmücken. Und ich will Geschichten schreiben, wie Mama sie mir vorliest. Die erzähle ich dann allen Tieren im Wald. Und ich will wie Papa Häuser bauen, die so witzig sind wie Hobbit-Häuser, in denen Zwerge leben und oben auf dem Dach Ziegen und Schafe grasen.“ Julian lächelte übers ganze Gesicht, in dem die Sommersprossen wie braune Tintenkleckse saßen und ihm ein schelmisches Aussehen verliehen.
„Dann zeige ich dir mal, wie mein Haus aussieht, da würde dein Papa aber große Augen machen!“, sagte Flocki und grinste noch viel breiter als Julian.
„Das könnt ihr alles machen, Flocki und Julian, ihr alle. Und all jene Menschen, die sich ihrer Talente und ihrer Träume bewusst geworden sind. Ihr habt nun unerschöpfliche Möglichkeiten“, sagte Der Würdige vom Eichenblatt, der auf einmal ein Funkeln in den Augen hatte, als wüsste er um alle Geheimnisse in der Welt und gleich noch um die des Universums.
„Uiiih … dann werde ich Hobbit-Häuser bauen und Mühlen an Seen, die bunt sind und Türmchen haben und bei denen sich das kleine Windrad so langsam dreht, dass sich die vielen Vogelkinder in den Nestern darauf vorkommen wie in einem Riesenrad.“ Julian lachte laut und Flocki lachte mit. Und alle anderen im Kreis lachten auch. Fips und Flaps hoch in der Baumkrone geckerten leise, wie Eichhörnchen geckern, wenn sie aufgeregt sind. Oder guter Dinge. Oder sich spielerisch um die Baumstämme jagen.
„Dieses gold- und rubinfarbene Licht …“, setzte Der Würdige vom Eichenblatt mit seiner klangvollen Stimme fort, „ließ viele der Menschen erkennen, dass ihre alltägliche Arbeit allzu oft nicht gewürdigt wurde. Dass sie selbst als Menschen nicht gewürdigt wurden. Und dass sie sich viel zu selten Zeit für ihr Talent genommen hatten, ihre göttliche Gabe, die sie dereinst gelehrt bekommen hatten. Und nichts oder zu wenig dazu getan hatten, um ihre Träume zu verwirklichen.“
Der hohe Waldgeist hatte sich erhoben, als hielte es ihn nicht mehr auf der Erde. Unter den weiten Ärmeln seines grünen Umhangs streckten sich die Arme hervor und er breitete die Hände aus, als wollte er alle um sich umfangen. „Viele Menschen haben inzwischen begonnen, ihre Talente zu leben und ihre Träume zu verwirklichen. Andere Menschen kommen in ihr Leben, die denselben Weg gehen oder gehen werden. Aus diesen Weggefährten sind bereits Gemeinschaften entstanden, und täglich bilden sich weitere. Die zahlreichen und wunderbaren Talente der Menschen werden wie in einem großen Topf zusammengeführt, damit ein jeder für sein Leben das Nötige und das zu seiner Zufriedenheit daraus wird schöpfen können. Diese Menschen bilden Gemeinschaften des gegenseitigen Respekts, der Empathie, des Vertrauens und vor allem der Liebe. Es sind Menschen eines höheren Bewusstseins, die mit den Tieren, der Natur, den Geschöpfen, die unerkannt unter den Menschen und innerhalb der Erde leben, und uns, den Geschöpfen des Naturreichs, fortan auf Augenhöhe leben werden.“
Der hohe Waldgeist machte eine kurze Pause, während er sich unter seinen angespannt lauschenden Zuhörern umsah. „Verehrte Waldwesen, lieber kleiner Mensch, nach vielen Tausenden von Jahren ändert sich das Leben auf der Erde vollkommen, denn es haben sich neue Welten gebildet. Viele Welten. Die Menschen erwählten sich vor wenigen Jahren nach ihren Gaben, Wünschen und Vorstellungen, wie sie künftig ihr Leben leben wollen, auf energetische Weise eine der Welten für sich, die sich immer mehr verwirklichen werden.“
„Ich will mit Mama und Papa und unseren Katzen Bilbo und Bruno immer im Forsthaus leben“, rief Julian begeistert. „Und ich besuche euch täglich im Wald. Und wenn ich groß bin, baue ich Baumhäuser hier im Wald. Aber nur, wenn ich darf!“ Julian lächelte unsicher, doch als ihm Flocki lebhaft zuzwinkerte, wurde sein Lächeln breit. „Gucken wir dann anders aus in diesen unterschiedlichen Welten, du würdiger Mann vom Eichenbaum?“, fragte Julian gespannt.
„Nein, ihr werdet weiter einen menschlichen Körper haben, doch euer Denken, euer Empfinden und Handeln wird ein vollkommen anderes sein, als es bislang war. Ihr werdet nichts mehr kennen und erleben, was euer Herz traurig macht. Nach den unterschiedlichen Qualitäten der verschiedenen Welten ist jede von einer bestimmten Farbe durchdrungen. So gibt es eine Welt der grünstrahligen Menschen oder der blaustrahligen. Du und deine Eltern, Julian, gehört zu den weißstrahligen Menschen, denn ihr habt euch die weiße Welt auserwählt. Eine Welt von paradiesischer Natur und von wunderbarem Licht. Und voller Liebe.“
„Auch Bilbo und Bruno?“, fragte Julian aufgeregt.
„Auch sie“, antwortete Der Würdige vom Eichenblatt schmunzelnd.
Zu allen andächtig Lauschenden im Kreis gewandt fuhr der hohe Waldgeist fort: „Wisset, all jene Menschen, die für sich entschieden haben, fortan keinen Blick und keinen Gedanken mehr auf Kriege oder jede andere Form von Gewalt zu richten, keine Energie mehr dahin zu geben und nur noch im Frieden leben zu wollen, haben sich die weißstrahlige Welt auserwählt. Es sind Menschen, die diese gold-rubinfarbene Energie aus dem Universum mit tiefster Freude begrüßt haben und begrüßen, denn von diesen beiden Farben sind sie selbst von Anbeginn ihres Seins erfüllt.“
Flocki hatte sich die Mütze vom Kopf gezogen, weil ihm heiß geworden war. Die Elfenmädchen hatten Tränen in den Augen. Dem Zwerg Strumpfsocke hüpfte vor tiefer Berührung der Adamsapfel auf und nieder. Julian stand davor, weinen zu müssen. Er fühlte sich mittendrin in einem Zauberbuch, dessen tiefstes Geheimnis ihm gerade enthüllt worden war. Sein Herz war aufgeregt und gleichzeitig federleicht und von ganz viel Glück erfüllt. Dass seine Mama und sein Papa und seine geliebten Kater Bilbo und Bruno in so einer tollen Welt lebten und weiter darin leben würden, ließ ihn aufspringen. „Also bin ich auch so goldig und rubinig in meinem Bauch?“, fragte er, ja rief er schier atemlos.
Flocki brach in Lachen aus. Dem Zwerg Baumzirbel fielen, weil er sich kichernd auf der Erde zu wälzen begann, ein paar Zirbelchen von der Mütze, und die kleine Elfe Anemone kiekste dezent hinter vorgehaltener Hand.
Der Würdige vom Eichenblatt begann leise zu lachen. Selbst sein Lachen war würdevoll, wie alles an ihm würdevoll war. „Du bist von einem wunderbaren Gold, kleiner Julian!“ Er hob erneut leicht die Hände. „In dieser Zeit des Weltenwandels schließt sich erneut ein Tor hinter den weißstrahligen Menschen, damit sie weiter unbeschadet ihren Weg in die friedliche Welt nehmen können, die sie sich bereits erschaffen. Es ist, also ob sie durch ein hohes steinernes Tor auf einen goldbestrahlten Weg treten, der sie in eine paradiesische Landschaft führt.“
Unvermittelt sah sich Julian um, entdeckte aber nirgendwo ein Tor. Stattdessen hörte er in der Ferne die Stimme seiner Mutter, die nach ihm rief: „Julian, Juliaaaaaaaan, wo bist du?!“
Julian packte der Schrecken. Mitten unter den wundervollen Geschöpfen des Waldes, die nicht seiner Phantasie entsprungen waren, sondern ganz und gar lebendig mit ihm auf der Lichtung gesessen hatten, hatte er die Zeit vergessen. Die Dämmerung war langsam in den Wald gekrochen und hatte nur über der Lichtung noch sanfte Helligkeit belassen, weil die untergehende Sonne den Abendhimmel zartblau und lachsrosa färbte.
„Juliaaaan!“
„Ich muss los, Mama ruft mich!“, rief Julian aufgeregt.
„Dann eil dich, Julian, und wenn du willst, besuche uns wieder“, sagte ihm Der Würdige vom Eichenblatt und hob in leichter Geste zum Abschied die Hand.
„Ich begleite dich, Julian!“, rief Flocki und sprang neben Julian hoch. Hintereinander liefen er und sein neuer Freund, ein Kind der Menschen, durch den Wald.
„Wirst du mich bald besuchen?“, fragte Flocki, während er über eine Wurzel sprang und unter einem tief hängenden Ast hindurch tauchte.
„Aber freilich, gleich morgen!“ Julian lachte glücklich, und Flocki lachte auch.
Fortsetzung folgt …
Anmerkung der Autorin: Lieber Leser, wenn Du mehr wissen willst über den Zauber des gold-rubinfarbenen Lichts, das längst die Erde erreicht und umhüllt hat, und mehr von den Welten, die sich getrennt haben und immer mehr herausbilden, kannst Du Dich gerne darüber informieren bei Sabine Richter, dem Channelingmedium, die auf dieser Webseite verlinkt ist (sh. Verlinkungen). Du gelangst von da auf ihre eigene Homepage. Ihr ist zu danken, dass wundervolle Durchgaben der Engel an uns Menschen, die sie in Channelings erhält, auf dieser Webseite in Artikeln und Geschichten verwendet werden dürfen.
